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Du musst Dich mal entspannen

Warum dieser Hinweis zwar gut gemeint, aber leider nicht zielführend ist


Sagt jemand zu mir "Entspann Dich doch mal" rolle ich innerlich mit den Augen. Was habe ich nicht schon alles ausprobiert: Entspannungstee, Entspannungsduft, Meditation, Yoga, Muskelentspannung, und so viel mehr. Ich bin ein Mensch mit viel Energie, viel Körper- und Muskelspannung und immer schnell unterwegs. Ab- und zu überhole ich mich selbst und dann wünsche ich mir, ein Zenmeister zu sein, in mir ruhen und entspannt.


Viele Dinge praktiziere ich regelmäßig, weil sie für den Moment helfen - Yoga & Meditation zum Beispiel. Sie fahren, wenn ich es regelmäßig tue, für ein oder zwei Stunden meine mentale Anspannung und mein Aktivitätslevel etwas runter. Aber über die Jahre habe ich festgestellt: sie ändern nichts an der Grundhaltung. Die Welt um mich herum bleibt für mich einfach zu langsam.


Mach Dich mal locker

Die zwanghafte Anstrengung nach Entspannung bringt mich nicht weiter, sondern sorgt noch für mehr Anspannung und Ungeduld. Womit ich ganz gute Erfahrung gemacht habe: Erstmal über die Anspannung bewusst werden. Spüren, wo ist denn etwas verspannt und dann aktiv loslassen. Für den Moment hilft das, ist quasi ein Akutmedikament gegen Anspannung. Allerdings: Bewusstwerdung ist das Eine, aber was tun, wenn man das Gefühl hat, immer wieder neu anfangen zu müssen? Ich habe da noch keine Lösung gefunden und vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Ich habe festgestellt, dass es zwar nicht leicht aber konstruktiver ist, die Situation erst einmal zu akzeptieren, wie sie ist. Wenn die Anspannung nun schonmal da ist, kann ich sie mir ja auch erst einmal anschauen. Ich sag ihr mal Hallo, schön, dass Du da bist, setz Dich, magst Du einen Kaffee?


Akzeptanz macht unangenehmen Dinge nicht weg, aber für den Moment etwas ruhiger. Es ist ok, angespannt zu sein. Der Alltag ist fordernd genug. Niemand schwebt wie ein erleuchteter Buddha durch seinen/ihren Tag. Es gibt viele Gründe für Anspannung und sie sind nun mal da. Und ja, es kommt auch darauf an, wie man mit Dingen umgeht. Allerdings: auch das führt nicht zu wundersamer Stressverringerung und erfordert stetiges Dranbleiben.


Ich suche weiter. Und stelle fest, dass körperliche Be- und Auslastung Ruhe bringt. Stoße auf das Prinzip des Embodiments. Kurz gefasst: Psyche beeinflusst Körper et vice versa. Gedanken beeinflussen Körperhaltung und andersrum. Schmerzen und Verspannungen können sowohl aufgrund einer Fehlhaltung als auch aufgrund destruktiver Gedanken entstehen. Und finde einen neuen, alten Ansatzpunkt - in der Meditation mit kombinierter, bewusster Beobachtung meines Denkens.


Wie sind meine Gedanken? Schnell? Langsam? Was denke ich? Und hat das Auswirkungen auf meinen Körper?

Einer meiner Yogalehrer sagte in einer Stunde: "form allows consciousness" Das beinhaltet das oft benutzte "Energy flows where attention goes". Denken steuert Handeln, jeder Tat geht ein Gedanke voraus. Somit erzeugen Gedanken Energie und Energie möchte beachtet werden. Sonst setzt sie sich ungenutzt irgendwo fest und schmollt.


Das nehme ich mir jetzt vor: Meine Gedanken und die Energie, die sie erzeugen, zu beobachten. Eventuell komme ich mit der Zeit meiner Anspannung auf die Spur. Wenigstens ein bisschen.



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