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Ein paar Gedanken über Mut

Alles, was wirklich wichtig ist, beginnt mit einem mutigen Gedanken. Das las ich vor kurzem in der Süddeutschen Zeitung. Wow. Was für ein Satz. Wie erhebend. Und was für ein Druck. Da kann man schonmal Angst kriegen. Vor der Verpflichtung. Vor den Konsequenzen, dass etwas misslingen könnte. Und: Ob man nun wirklich mutig genug ist, sich etwas vorzunehmen, es anzugehen. Dann kommen leicht Gedanken auf wie...


Ich muss den Mut haben, Dinge zu tun.

Ein Gedanke wie in Monolith. Was wäre dieser Satz ohne Bewertung? Frei von jeder Zuschreibung? Wie würde er dann klingen? Ein Versuch:


Ich kann (oder will) den nächsten Schritt gehen.


Wie komme ich nun von Müssen zu Wollen? Ich stelle mir die Frage:

Was ist eigentlich Mut? Wozu braucht man ihn? Und: Sind Dinge nur dann bedeutsam, wenn sie Mut erfordern? Oder können bedeutsame Dinge auch ohne Mut passieren?

Es ist klar, dass riskante Dinge (die gerne mal den Aspekt des Scheiterns in sich tragen) häufig Mut erfordern, sie manchmal aber nicht besonders schlau oder förderlich sind. Mut heißt immer auch Verpflichtung - die Konsequenzen zu tragen, die eine Entscheidung so mit sich bringt. Die Überwindung, eine Art von Commitment. Dann muss aber etwas vor Mut kommen. Denn wenn Mut Überwindung ist, Commitment, Verpflichtung, dann muss davor etwas kommen. Etwas, das Energie verleiht, den Mut zu haben etwas zu tun.

Mut heißt Wollen. Mut ist die Folge von Wollen.

Befreiend. Oder? Das eröffnet Möglichkeiten, Freiheit, da wird Energie frei. Warum wird so auf den Mut abgezielt? Denn vielleicht braucht es keinen Mut (oder sehr viel weniger als man denkt) und nur ausreichend Energie, die aktiviert, nach vorne und in Bewegung bringt. Energie, Motivation, Antrieb – egal, wie man es nennt. Energie entsteht da, wo ich frei und spielerisch entscheiden kann und nicht von der Last eines schweren Satzes oder einer Vorstellung niedergedrückt oder ent-MUT-igt werde.

Also, was könnte denn nun helfen, von der Schwere (Ich muss den Mut haben Dinge zu tun) hin zu einer leichteren Variante (Ich kann/will den nächsten Schritt tun) zu kommen?


Hilfreich ist, seine Gedanken frei von Bewertungen anzuschauen. Emotionale Zuschreibungen können Dinge schwer machen. Denn in Gedanken sind wir oft 33 Schritte voraus, malen uns Szenarien aus, bauschen Dinge auf, die, neutral und im Rückblick betrachtet, oft gar nicht so schlimm sind. Wie oft denkt man: Warum habe ich mich eigentlich so aufgeregt? War doch gar keine große Sache…Und rückblickend ist der Mut dann oft weniger wichtig als gedacht.

Was also tun? Du kannst probieren, dieses ganze Gedankengerüst zu verkleinern, das Emotionale wegnehmen, mit den Fakten arbeiten und sehen, was passiert. Und vielleicht erkennen, was hindert, was unterstützt, was unnötig ist.

Die 3-Schritte-Methode

  • Was sind die Fakten? Welche Gedanken (frei von Drama und Garnierung) habe ich? Es schadet nicht, einfach 5 Minuten ungefiltert aufzuschreiben, was durch den Kopf saust.

  • Was sind meine Emotionen? Was fühle ich zu jedem Gedanken? Und auch hier: hinter jeden in Schritt 1 notierten Gedanken das dazugehörige Gefühl schreiben.

  • Und dann schauen: Sehe ich Muster? Sind die Gedanken berechtigt? Oder die Gefühle dazu? Wo kommen sie her? Könnte ich vielleicht anders denken oder fühlen? Kann ich davon etwas nutzen, damit mir meine weiteren Schritte leichtfallen?

Es geht darum, etwas Licht in die eigenen Denkmuster zu bekommen und zu schauen, wie Gedanken und Emotionen und vielleicht auch körperliche Reaktionen zusammenhängen. Damit der Zugriff auf den eigenen Mut nicht abstrakt bleibt, diffus und unberechenbar. Sondern die Energie spielerischer fliessen und die ein oder andere Entscheidung etwas leichter fällt.


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