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Impuls: Als ich mich mal wieder prokrastinierte

Aktualisiert: 19. Aug. 2020

Alle, die ich kenne, sind in den letzten Wochen zu Hause. So wie ich. Home Office ist angesagt. Nun arbeite ich in einem Konzern, in dem ich auch in Nicht-Corona Zeiten Home Office machen kann. Bis zu 50 Prozent meiner Arbeitszeit kann ich mobil arbeiten. Ich mache das seit mehreren Jahren. Ich behaupte also frech, ich habe Erfahrung damit. Eine Sache ist mir aber in den letzten Wochen aufgefallen: Je mehr ich zu Hause bin, desto mehr bestimmt mich mein Job fremd. Desto weniger komme ich dazu, eigene Projekte zu verfolgen.


Ich habe mehr Zeit, weniger Pendelzeiten, keine Präsenzmeetings. Allerdings: sitze ich jetzt 1,5 Stunden früher am Schreibtisch. Einfach, weil ich es kann. Und ich arbeite. Und ich merke, wie mich das auslaugt. Aber ich höre nicht auf damit. Denn es fühlt sich auch gut an, so früh morgens am Schreibtisch zu sitzen. So selbstbestimmt, so progressiv, so produktiv. Leider nicht für mich selbst und meine eigenen Entwicklungsziele…und ich stelle mit Erstaunen fest, dass ich prokrastiniere. Ich wasche keine Wäsche und lass das schmutzige Geschirr stehen, aber ich prokrastiniere meine Projekte mit meiner Erwerbsarbeit. Irgendetwas hält mich ab? Etwas? Wenn ich ehrlich bin, bin ich es selbst.

Im systemischen Coaching frage ich KlientInnen gerne diese Frage: Was haben Sie davon, XY zu tun? Das ist ein wenig paradox, denn meistens möchten sie Dinge nicht mehr tun weil sie sie nicht mögen, sie ihnen schaden oder ihnen einfach nichts mehr bringen. Aber: sie tun es trotzdem. Und nach diesem trotzdem zu fragen lohnt sich. Denn: Anscheinend ziehen sie einen Nutzen aus ihrem Verhaltensmustern und diesen Nutzen zu erforschen, kann einen ein ganzes Stück weiterbringen bei der Frage: Warum tue ich bestimmte Dinge und lasse andere.

Und deswegen mache ich das heute mal mit mir und frage mich: Was hält mich davon ab, mich in den Mittelpunkt zu stellen. Oder besser: was habe ich davon, wenn ich mich nicht in den Mittelpunkt stelle?

Mh. Erste Antworten blubbern hoch: Es ist soviel zu tun bei der Arbeit. Das ist wichtig. Ich habe Deadlines zu erfüllen. Ich muss doch meinen Job machen. Dafür werde ich bezahlt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht immer mein Bestes gebe. Denn ich kann das ja also bin ich verpflichtet, das auch zu tun.

Es dämmert mir etwas: Geld. Sicherheit. Verpflichtung. Mit meinem Arbeitgeber habe ich einen Vertrag. Ich fühle mich verpflichtet. Ich bin ein loyaler Mensch, halte meine Versprechen, fühle mich verantwortlich.

Heißt das im Umkehrschluss und bezogen auf meine Situation, dass ich mir selbst nicht loyal bin? Weil ich mit mir keine Verpflichtung habe? Und, ketzerische Frage: Weil ich mir selbst und mir meine Ziele nicht so wichtig sind? Autsch. Aber der Reihe nach. Zuerst mal die Sache mit dem Vertrag.

Frage weiter: Wäre es sinnvoll, mit mir selbst eine Art von Vertrag aufzusetzen, damit ich mich und meine Projekte ernst nehme und genauso priorisiere wie meinen Arbeitsvertrag?

Ok, halt ich fest. Vertrag mit mir selbst machen.

Jetzt zur 2. Sache, die gerade hochploppte. Nochmal zum auf der Zunge zergehen lassen: Meine Ziele und ich selbst sind mir weniger wichtig als andere Dinge. Pause. Ich merke: das ist ein Knackpunkt. Das bedarf ein bisschen mehr Arbeit als „nur“ eine Frage. Und ich entscheide mich: Für den Moment fange ich mit dem Vertrag mit mir selbst an und beobachte, ob sich was an Punkt 2 tut.

Meine Lösung ist übrigens eine einfache: Ich habe mir einen ganzen Tag im Kalender geblockt, an dem ich wöchentlich sowohl an meinen Themen wie Fortbildung und Projekten arbeite, aber auch Sonderprojekte aus meiner Arbeit integriere. Dazu habe ich den Vertrag mit mir aufgeschrieben und im Kalender im Termin fixiert. Der erste Schritt ist getan. Und damit fängt es an.

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